Wusstet ihr schon? Die Glasfenster der Kirche Saint-Étienne in Waha in der Provinz Luxembourg stammen von Jean-Michel Folon, einem international bekannten belgischen Künstler.
Die kleine Kirche von Waha auf den Anhöhen von Marche-en-Famenne zählt zum bedeutenden Kulturerbe der Wallonie.
Als älteste romanische Kirche Belgiens ist sie die einzige, deren Widmungsstein erhalten geblieben ist, der an ihre Weihe am 20. Juni 1050 erinnert. Sie beherbergt auch mehrere fünfhundert Jahre alte Holzstatuen, darunter einen Kalvarienberg und eine Heilige Barbara, die der Werkstatt des Meisters von Waha zugeschrieben werden. Seit einigen Jahren verlassen jedoch zahlreiche Touristen die Nationalstraße 4, um den Hügel zu erklimmen, auf dem das Gebäude thront, und die Verzierungen der Glasfenster zu bewundern. Dabei entdecken sie ein authentisches Dorf und einen herrlichen Blick auf die umliegende Famenne.
Der Bürgermeister von Marche-en-Famenne, ein großer Kunstliebhaber, beauftragte Jean-Michel Folon mit der Verschönerung des fast tausendjährigen Gebäudes. Der berühmte Aquarellmaler, der dank der von ihm gegründeten Stiftung auf dem Solvay Anwesen in La Hulpe in die Wallonie zurückgekehrt war, konnte dem Reiz dieses Ortes nicht widerstehen, als er ihn entdeckte. Er hatte bereits Glasfenster für private Kapellen in Südfrankreich entworfen, darunter ein sehr schönes Projekt für die Kapelle der Weißen Büßer in Saint-Paul-de-Vence.
Waha und Folon | Die Quelle der Inspiration
Für Waha ließ sich Folon von der Geschichte des Heiligen Stephanus, dem Schutzpatron der Kirche, inspirieren. Er recherchierte, wie dieser in der klassischen Ikonografie dargestellt wurde, und fertigte sechs Skizzen in Aquarell an, wobei er die technische Umsetzung des Werks den Ateliers Loire in Lèves bei Chartres überließ.
Bei einem Rundgang durch die kleine Kirche werden somit die Legenden rund um das Martyrium des Heiligen Stephanus illustriert. So entdeckt man den Heiligen Stephanus, der der Tradition entsprechend von einer weißen Hirschkuh gestillt wird, Stephanus, der von Richtern mit spitzen Mützen, die sich die Ohren zuhalten, verurteilt wird, Stephanus, der zum Himmel betet, Stephanus, der gesteinigt wird, eine göttliche Hand, die am Himmel erscheint, um dem Märtyrer die Krone zu bringen, sowie drei Kelche in Erinnerung an die Überlieferung, wonach vier Jahrhunderte nach seinem Tod drei goldene Gefäße gefunden wurden, von denen eines rote Rosen enthielt, die den Sarg des Stephanus symbolisieren.
Diese sechs leuchtenden Glasfenster wurden im Juni 2004 eingeweiht. Zwei Jahre später wurde die Serie durch zehn blaue Glasfenster mit bunten Vögeln ergänzt. Eine Anspielung von Folon auf die Dekoration der ersten Jahrhunderte der Kirche, die einige Sonnenstrahlen und Vögel darstellt. Leider konnte Folon die fertige Gestaltung nicht mehr sehen, da er am 20. Oktober 2005 verstarb. Aber er ist in dem Gebäude, mit dem er für immer verbunden bleiben wird, weiterhin präsent: eine audiovisuelle Installation, die die Aussagen des Künstlers über die Herstellung der Glasfenster wiedergibt. Zu sehen täglich von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei!



